Impressionen aus Binzen

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Kandertalbahn („s’ Chanderli“)

Schritttempo fahrende Kraftfahrzeuge, winkende Sparziergänger und Wanderer, und plötzlich kräftiger in die Pedale tretende Radfahrer auf und an der Strecke nach Kandern. Wem gilt diese Aufmerksamkeit, die im Sommerhalbjahr besonders an den Wochenenden zu registrieren ist?

Einem – fast ist man geneigt es so zu nennen – Naturereignis, dem „Chanderli“ nämlich, das vor etlichen Jahren wieder aus dem Museumsschlaf aufgeweckt wurde und seither mit wachsender Beliebtheit auf seinen alten Gleisen durch das Tal dampft.

Des einen Freud, des anderen Ärger, denn das pfeifende und stampfende Ungetüm macht sich zuweilen auch etwas unangenehm bemerkbar, wenn mittagsschlafhaltende Anwohner jäh aus ihrem Nickerchen erwachen, weil das Züglein bei den durchweg unbeschrankten Bahnübergängen im Dorf tüchtig pfeifen muss und hie und da auch der Übermut des Lokomotivführers zum Ausdruck kommt. Oder wenn die festlich gedeckte Kaffeetafel im Garten von einer schwarzen Rauchwolke eingenebelt und Mutters Kuchen von einer feinen Rußschicht überzogen wird.

Sei’s drum, man wird sich wieder – zum zweiten Mal also – an diese anachro-nistische Fortbewegungsart per Schiene gewöhnen (müssen), wie es wohl die Binzener vor der Jahrhundertwende mit umgekehrten Vorzeichen erlebten. 1895 nämlich war die Schmalspurbahn in Betrieb gegangen und erschloss so nach dem Rheintal und dem Wiesental auch das Kandertal für die neue Eisenbahn.

Klar, ein Bahnhof musste her mit allem drum und dran, aber diesem Binzener Begehren verschloss sich die „Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft in Ber-lin“, nachdem mit dem Bau der „Bahnhof-Restauration“ im Jahre 1909 die – wir würden heute sagen – „Infrastruktur“ wesentlich verbessert worden war.

Das Drängen blieb dennoch nicht ungehört, denn drei Baracken-Bauten rundeten nun das „Binzener-Bahnhofs-Areal“ ab:
  • Einmal der Geräteschuppen für die Streckenarbeiter, der zugleich als Lagerraum für die mit der Bahn an- und abgehenden Güter diente.
  • Dann der Warteraum, bestehend aus einer mit Sitzbänken versehenen Blechkabine.
  • Und schließlich der Fahrkartenschalter, der von der im Bedarfsfall aus der „Resti“ herbeieilenden Wirtin betreut wurde.
Nicht viel Glanz also, der dort hat verlorengehen können, und kaum jemand hat bei der vermeintlich letzten Fahrt der „Dampf-Loki“ 1966 das Gefühl eines unwiederbringlichen Verlustes verspürt.

So dient der für Fremdenverkehrszwecke wieder aufgenommene Betrieb der Bahn durch begeisterte Anhänger jener verflossenen Bahngeschichte in erster Linie dem ideellen statt einem wirtschaftlichen Zweck.

Die Rolle der Eisenbahn als öffentliches Verkehrsmittel haben die Omnibusse der Südwestdeutschen Eisenbahngesellschaft (SWEG) übernommen, die den Linien- und Schülerverkehr im Kandertal durchführen. Schon vor mehr als einem halben Jahrhundert verkehrten zwischen Lörrach und Kandern Omnibus-se der Eisenbahn, damals noch als richtige Lastenfahrzeuge, mit denen nicht nur das Gepäck der Reisenden, sondern auch die Markteinkäufe bis hin zu den „Saukisten“ mit lebendem Inhalt befördert wurden.

Hanspeter Vollmer in „Binzen – Gestern und heute“

  • Gemeindeverwaltung Binzen
  • Am Rathausplatz 6
  • 79589 Binzen
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