Brunnen mit Osterschmuck

Brunnen - Schmuckstücke eines jenes Dorfes

Schmuckstücke eines jeden Dorfes, namentlich in der Markgrafschaft, sind die historischen Brunnen, die auf Plätzen, an Straßenzusammenführungen oder in Verbindung mit staatlichen, privaten und öffentlichen Bauten ein besonderes Stück Ortsgeschichte darstellen.

Die Binzener sind noch heute in der glücklichen Lage, sechs Brunnen fließen sehen zu können, erfreulich dabei, dass die Pflege und Unterhaltung fast schon zu einer Herzensangelegenheit für die Nachbarn dieser Wasserspender geworden ist. Als kleine Entschädigung für diese, andernorts nicht selbstverständliche „Bürgerinitiative“, mag für manchen der alte Glaube wirken, dass das Wasser aus den Brunnen für Mensch und Vieh und Garten doch das beste ist. Das billigste im Sommer allemal, wenn trockene Beete und dürstende Pflanzen sehnlichst auf den Guss aus der in den nahen Brunnen getauchten Gießkanne warten.

Über die Betrachtung unserer Schmuckstücke vergessen wir leicht, dass der für uns selbstverständliche Griff zum Wasserhahn in Binzen auch erst seit 100 Jahren möglich ist. Vorher wurde das kostbare Nass aus den Brunnen und Tiefbrunnen in die Häuser und Ställe geholt, das Vieh ließ man, solange es die Witterung zuließ, aus den Brunnen trinken.

Mit einem Blick in den noch erhaltenen Schachtbrunnen, einem jahrhundertealten Ziehbrunnen am Freihof, werfen wir zuglich ein Auge auf ein Stück versunkener dörflicher Vergangenheit.

An sechs Brunnen also kommen wir auf unserem Spaziergang durch die Gemeinde vorbei. Gleich zu Anfang begegnen wir auf dem Dorfplatz, der früher zeitweise auch zur Abhaltung von Märkten diente, dem „Platzbrunnen“. Neuerdings hört man auch oft den naheliegenden Namen „Rathausbrunnen“, gleichwie, eine Zierde jedenfalls für die Ortsmitte und sicher auch eine Bereicherung nach der Umgestaltung dieses Bereiches.
Noch bis in die Zwanziger Jahre diente der Platzbrunnen auch als „Eichbrunnen“. Die im Weinbau, in der Gastwirtschaft und im Handel benötigten Gefäße wurden vom örtlichen Eichmeister überprüft, der die dafür benötigten Werkzeuge aus Messing zweckmäßigerweise gleich an Ort und Stelle in einem extra dafür errichteten Kästchen am Brunnenrand aufbewahrte.

Für manche gilt der Brunnen gegenüber dem Ochsen, der “Schnauferbrunnen“, „Ochsenbrunnen“ oder noch früher der „Schlossbrunnen“ genannt, als der schönste unter seinesgleichen.

Im Gegensatz zu dem vorher erwähnten Brunnen ist sein Trog aus einem Stück gefertigt und trägt auch eine Jahreszahl, nämlich 1837.

Der „Schwanenbrunnen“ an der Einmündung in die Fischinger Straße war lange Zeit verschwunden. Als schöne Ergänzung zu der damaligen Gartenwirtschaft zierte der „Lindenbrunnen“, wie er auch geheißen wurde, den dortigen Ortseingang, bis er der Brückenwaage, die vom Dorfplatz hierher verlegt wurde, weichen musste. Im Zuge der Neugestaltung der Hauptstraße wurde der „Schwanenbrunnen“, der zwischenzeitlich ein eher bescheidenes Dasein bei der Schule gefristet hatte, wieder an seinem ursprünglichen Standort aufgestellt. Eine gelungene Maßnahme, die dem Schwanen-Eck viel von seinem ursprünglichen Charakter gibt.

Hinter der „Niederen Brücke“, am Eingang zur Webergasse, steht der nach dem früheren Besitzer des Hauses Stöcklin, Johan Philipp Lais, benannte „Laise-Brunne“. Sein Entstehungsjahr ist mit 1859 angegeben.

Aus Buntsandstein gefertigt sind Trog und Stock des „Schmiedbrunnens“ in der Mitte der Koppengasse an der Einmündung des Steinbrunnenweges. Der immer noch aus eigener Quelle gespeiste Brunnen ist schon über 200 Jahre alt. Aus einem in den Stein gehauenen Gesicht fließt das Wasser in den Brunnentrog, den Brunnenstock ziert eine mächtige Sandsteinkugel, bei der es sich nach alter Überlieferung um eine Kanonenkugel handeln soll. In der Tat wurde mit solcher Munition noch lange nach dem Dreißigjährigen Krieg gefeuert.

Fast anderthalb Jahrhunderte schon plätschert das Wasser aus dem „Winkelbrunnen“, der seit dem Bau von Schule und Kindergarten in den Steinbrunnenmatten die Kinder täglich in seinen Bann zieht und sie zu allerlei Spielen reizt.

  • Gemeindeverwaltung Binzen
  • Am Rathausplatz 6
  • 79589 Binzen
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