Alte Hex von Binzen
Hex

Alti Hex vo Binze

Natürlich glaubt heute kein Mensch mehr an Hexen, Kobolde und dergleichen, es sei denn, er wandert nachts alleine im Wald zwischen Burg Rötteln und Binzen. Dann kann es freilich schon passieren, dass ihm die Geschichte in den Sinn kommt, die seit Jahrhunderten in der Sage von "der alten Hex vo Binze" überliefert wird und die Alt und Jung gleichermaßen in ihren Bann zieht.

Hier nun aus der Dorfchronik die erste Version, die auf einen Beitrag in dem Buch "Vom Jura zum Schwarzwald" zurückgeht.

"Der Diener Gotthold hatte dem Lieblingshund des Röttler Herrn in Notwehr das Bein zerschmettert. Wutentbrannt ließ der hartherzige Herr den sonst treuen und im Kampfe bewährten Knecht von der Turmzinne in die grausige Tiefe hinabstürzen. Dort fand den Ermordeten sein Weib, das in wahnsinnigem Schmerz furchtbare Rache schwor. Sie verließ die Stätte, an der sie höchstes Glück und tiefsten Schmerz erlebt hatte und bezog eine halbzerfallene Hütte am sogenannten "Hüttenrain", am Luckeweg bei Binzen. Von dort ging ihr unheimlicher Ruf als Hexe aus, wenn sie auf versteckten Wildpfaden in Begleitung des hinkenden Hundes, den sie geheilt hatte, fluchend die Burg umkreiste, oder wenn sie im Dorf Binzen und in der Umgebung für empfangene Wohltaten Krankheiten beschwor, Heil- und Liebestränke brachte. Sie galt als schussfest, und die Pfeile des ergrimmten Burgherrn, dem sie das Wild vergiftete, verfehlten sie.

Immer verrohter und ruchloser wurde das Tun des überall gefürchteten Mannes auf der Burg. Nur eine Helle und Milde war ihm in seiner lieblichen Tochter beschieden, die er vergötterte. Sie verstand es durch ihre Gegenwart, die Wildheit ihres Vaters zu zügeln, seine Härte zu den Untergebenen zu mildern, Strafen zu bannen und geschlagene Wunden zu heilen. Schon lange hatte er mit seinem Freunde und Waffengefährten vom Hunoltstein im Elsass das Versprechen ausgetauscht, ihre Kinder einmal zu verbinden, um ihre Freundschaft für alle Zeiten fortzupflanzen. Als Hildegard, zwanzigjährig, die baldige Ankunft des Freiers angekündigt wurde, gereute es den Vater in triebhafter Angst, mit seinem Kleinod würde der letzte schwindende Segen dem Fluche freie Bahn geben. Eines Tages meldete sich ein Fremdling auf der Burg, hoch zu Ross in der Kleidung eines fahrenden Sängers. Sein edles Wesen, sein Hohes Lied um Minne, Mannesmut und Gottes schönste Gaben gewannen bald auch das Vertrauen des harten Mannes, der ihm das Gastrecht anbot, aber auch das Herz und die Liebe der schönen Maid. Das Maß ihres Glücks schien grenzenlos, als ihr der Geliebte kundtat, dass er der längst schon von ihren Vätern für sie Erwählte sei, der unbefangen ihre Liebe gewinnen wollte. Die Stille und Fülle dieser unsagbaren glücklichen Stunde durchbrach ein zornig wilder Ruf: "Verfluchter Abenteurer, hast du dich hier eingeschlichen, um mein edles Kind zu berücken? Fahr hin, du Elender!" Vom Schwerte des Rasenden durchbohrt, fiel der Jüngling.

Als die Unglückliche ihrem Vater wehrend in den Arm fallen wollte, stieß er sie beiseite auf einen spitzen Felsvorsprung; ein feines Blutbächlein quoll aus ihren Schläfen und vermischte sich mit dem ihres Geliebten. Sterbend hat sie dem entsetzten Manne eröffnet, dass er den Sohn des Freundes getroffen hätte. Blutige Fehde hatte der Vater des Ermordeten, sein einstiger Freund, dem halb wahnsinnig gewordenen Röttler angekündigt. Wochenlang belagerte er die Burg, ohne sie zu bezwingen. Schon triumphierten Burgherr und Besatzung, als plötzlich, wie aus dem Boden gestampft, der Feind im Burginnern sie zum Kampf herausforderte. Mann gegen Mann, hart ineinander verbissen, bis der Verruchte und Verfluchte von der Klinge seines früheren Waffengefährten getroffen war, wütete der Zweikampf. Höhnisch grinsend trat die Hexe von Binzen vor den Sterbenden. Mit letzter übermenschlicher Kraft zog und zerrte sie den Verhassten zur hohen Mauerzinne und schleuderte ihn mit einem letzten Fluch in den Abgrund.

Eine andere Fassung erzählt von der schicksalhaften Verflechtung der Kräuterhexe von Binzen mit dem Leben ihrer wunderschönen Tochter, die ein junger Herr von Rötteln entführt haben soll. Um sich zu rächen, ließ sie der Tochter heimlich einen Gifttrank für den Frevler zukommen. Aber versehentlich trank diese selbst das Gift und starb daran. Voll Rachegedanken verfiel die "Hexe" noch mehr dem dumpfen Hinbrüten und erregte durch ihr wildes Äußeres in der ganzen Umgebung ein Grausen. Als die Franzosen ohne Erfolg das Schloss belagerten und es dann erstürmten, zeigte ihnen die Alte eine schwach bewehrte Burgstelle droben vom Walde her, die dann auch mit den schwersten Geschützen beschossen wurde. Durch die aufgerissene Lücke konnten die Franzosen die Burg einnehmen und die Brandfackeln in die mächtig stolzen Gebäude tragen. Entscheiden Sie sich für eine oder rühren Sie beherzt eine Mischung aus beiden Versionen an: So oder so halten Sie die Geschichte der "Alte Hex vo Binze" am Leben, und das sind wir ihr doch schuldig, oder?

  • Gemeindeverwaltung Binzen
  • Am Rathausplatz 6
  • 79589 Binzen
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